Drei Schwabenheinkler auf dem Großglockner

 

Die Idee am Anfang
Bei der Durchsicht des Nachlasses meines Vaters fiel mir ein Foto in die Hände, das ihn mit seinem Opel P4 1937 auf der Passhöhe des Großglockners zeigte. Da dachte ich, was 1937 23 PS mit 800 kg schafften, müsste auch 2013 bei 9,2 PS mit 220 kg gehen. Und dann las ich den Artikel von Klaus Müller in der Heinkel-Info 4/2012 und für mich stand fest: Das wird gemacht!

Vorbereitung
Das Heinkel-Jahrestreffen 2013 in Pforzen liegt für uns Schwaben auf halbem Weg und so bot sich dieser Anlass an, im Vorfeld des Jahrestreffens, den Großglockner abzufahren. Alleine fahren macht keinen Spass und so fragte ich in der Stammtischrunde der Schwabenheinkler, wer Interesse an einer solchen Fahrt hätte. Viel Zeit hatte niemand und mehr wie 240 km am Tag sollten auch nicht zurückgelegt werden. So stellte ich eine viertägige Anreise zum Heinkel Jahrestreffen zusammen, die den Anforderungen genügte. In Adolf Rumpel und Peter Vodermayer fand ich begeisterte Heinkel-Mitfahrer. Nach mehreren Besprechungen standen Etappen und Übernachtungsziele fest.

Anfahrt
Peter, Adolf und ich starteten am Sonntag, den 26.5. in Sindelfingen

und erreichen trocken die Schwäbische Alb. Vor Zwiefalten holt uns der Regen ein, der uns bis kurz vor Reutte (Tirol) begleitet. Bei Füssen geht dann der Regen in Schnee über. In Reutte, im Gasthof Schwanen angekommen, sind wir froh, eine gute Unterkunft erhalten zu haben. Auch die Verpflegung lässt keine 
Wünsche offen.
Am nächsten Tag klettern wir mit unseren Heinkelchen den

 

Fernpass (1274 m) hinauf,

queren den Holzleitner Sattel (1126 m) und quälen uns -im Inntal strahlt die Sonne- durch Innsbruck hindurch. Bei Strass, wo das Zillertal in das Inntal mündet, machen wir Mittagspause mit Blick auf den bekannten Wallfahrtsort Maria Brettfall.

So gestärkt heinkeln wir durch Kitzbühel, dann über den Pass Thun (1274 m) nach Mittersill, wo wir unser nächstes Quartier beziehen.

Die Natur gibt vor
Pech haben wir mit der Wegführung
: Geplant war, am Dienstag von Mittersill aus über die Felbertauern Hochstraße nach Lienz zu rollern, über den Iselsbergpass zu fahren und dann von Heiligenblut den Großglockner nach Norden hin abzufahren. Leider hatte einige Tage zuvor ein gewaltiger Bergrutsch den Felbertauern unpassierbar gemacht.

Abends zuvor fahren wir die gesperrte Strasse bis zum Nordportal. Ein tolles Gefühl ganz alleine auf der großen Passtraße!

Glück haben wir mit dem Wetter: Sobald wir das Inntal erreichen strahlt die Sonne vom blauen Himmel und die schneebedeckten Gipfel glänzen uns zu. Tage zuvor hat es geschneit und der Großglockner war wegen Schneeverwehungen gesperrt! Zu unserer Erleichterung teilt uns das Smartphone die rechtzeitige Freigabe der Hochalpenstrasse mit. Super! Bei blendender Sonne fahren wir dann, an meterhohen Schneewänden vorbei, den Pass hinauf.
Der Großglockner
Der Sperrung des Felbern wegen, haben wir nun den Großglockner von Bruck nach Süden bis Heiligenblut und zurück zu fahren. Selbst die Tatsache, dass diese Variante weniger kostet (23 € statt 30 €) kann uns nicht richtig trösten. Auf dem Hinweg, mit Blick auf das Glocknermassiv

geht es durch Fusch zur Mautstelle.

Hier ist einiges los, aber die Fahrzeugmengen verteilen sich bald auf der Passtrecke. Wir sind natürlich nicht vornedran! An Schneewänden vorbei, wieder durch viele Serpentinen, werden wir von fast allen Fahrzeugen überholt, und einige zollen der Leistung unserer Oltimer mit hochgehaltenem Daumen Respekt. Für uns gilt, wie immer:

Der Weg ist das Ziel!


Vorbei an der Touristenstation Fuscher Törl (2428m)


kommen wir zur Passhöhe. Wir sind am Hochtor (2504 m), an gleicher Stelle, wie mein Vater vor 76 Jahren.


Das Museum hier bezeugt, daß dieser Übergang über die Alpen bereits in vorgeschichtlicher Zeit begangen wurde. Bereits die Kelten benutzten diesen Weg nach Italien. Die Römer hatten hier eine Heerestrasse gebaut und später ging über diesen Ort ein Saumfad, ehe 1931 mit dem Bau der 48 km langen Großglockner Hochalpenstrasse begonnen wurde, die dann 1935 eingeweiht wurde.


Unsere Heinkel haben es geschafft!!
Talwärts nach dem „sonnigen“ Süden machen wir einen Abstecher zur
Franz-Josefs-Höhe (2369 m), die sich uns allerdings im Nebel zeigt.

Mit einigen Fehlzündungen geht es den Berg hinunter nach Heiligenblut,

wo wir uns Kaffee und Kuchen genehmigen. Wir befinden uns am südlichen
Eingang zur Großglockner Hochalpenstrasse

und müssen den Rückweg antreten. Ohne erneut Maut entrichten zu müssen, klettern unsere Heinkel wieder die Passhöhe hinauf, am Hochtor vorbei. Die Sonne ist wieder da, wir machen einen Abstecher zur Edelweißhütte (2571 m), dem höchsten Punkt unser Tour.

Der Weg führt dort hinauf, noch auf der alten Straße mit Kopfsteinpflaster und wir erahnen, wie beschwerlich der Weg früher gewesen sein muß. Insbesondere die Serpentinen, wenn in den Haarnadelkurven der geschmolzene Schee über die glatten Steine rinnt. Aber ohne Unfall gelingt uns die Auf- und Abfahrt.

Strahlende Gesichter vor Alpenpanorama

Die Sonne sinkt, der Abend naht und es wird kälter. Es geht nach Mittersill zum Quartier zurück.

Nur ein kurzer Stopp an der nördlichen Mautstelle.

Auf dem Rückweg begleitet uns das Gefühl, einen wunderschönen Tag erlebt zu haben. Tolles Wetter. Herrliche Berge. Keine Rollerpanne.
Wir lassen diesen Teil der Hochalpen hinter uns.

Nach Pforzen
Mittwoch ist Anreisetag zum Jahrestreffen. Als Abschluss für die Passfahrten haben wir uns den
Gerlospass (1507 m) gewählt.

Die alte Passtrasse verpassen wir, kommen aber so in den Genuss, die Krimmler Wasserfälle bestaunen zu können. Bis hier ist das Wetter passabel. Es beginnt zu nieseln. Nach Verlassen des Inntals setzt Dauerregen ein, der uns bis Pforzen begleitet. Das Wetter der nachfolgenden Tage kennt jeder, der am Jahrestreffen teilgenommen hat.

Fazit
Vier schöne Tage. Wetter: Zwei Tage super (das waren die wichtigen). Ein harmonisches Fahrertrio. Unsere Heinkel Roller liefen klaglos, kleine Reparaturen gehören immer dazu. Ein abvibriertes Kabel, eine gerochene Feder im Schaltgriff ist schnell repariert! Ein bisschen Schrauben gehört ja auch dazu. Auf unsere Heinkel ist Verlass und sind uns ein Quell für Fahrten mit viel Freude.

Arwed Hummel
(2712)